Montessori Reitpädagogik – eine fachliche Einordnung zwischen Anspruch und Realität

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Montessori Reitpädagogik – pädagogische Arbeit mit Pferden erfordert klare Führung
Montessori Reitpädagogik – pädagogische Arbeit mit Pferden erfordert klare Führung

In der Reitpädagogik taucht der Begriff Montessori Reitpädagogik in den letzten Jahren immer häufiger auf – in Kursbeschreibungen, auf Websites, in Curricula und in der Außendarstellung von Angeboten mit Kindern und Pferden.

Das ist zunächst nachvollziehbar. Montessori steht für eine wertschätzende Haltung gegenüber Kindern, für Selbstständigkeit, für Lernen ohne Druck. Viele von uns teilen diese Grundwerte.

Gleichzeitig lohnt sich ein fachlich genauer Blick:
Denn nicht jedes pädagogische Konzept, das im Bildungsbereich sinnvoll ist, lässt sich automatisch auf die Arbeit mit Pferden übertragen.

Dieser Artikel richtet sich ausdrücklich an Reitpädagoginnen, Reittherapeutinnen und Anbieterinnen, die Verantwortung für Kinder und Pferde tragen.
Er soll keine Methode abwerten und keinen persönlichen Angriff darstellen.
Vielmehr geht es um eine fachliche Einordnung:

  • Was ist Montessori-Pädagogik eigentlich?
  • Welche Voraussetzungen braucht sie?
  • Und an welchen Stellen steht sie im Widerspruch zu den Anforderungen der Reitpädagogik?

Gerade weil Begriffe Vertrauen schaffen – bei Eltern, Trägern und Kooperationspartnern – ist es wichtig, sie präzise und verantwortungsvoll zu verwenden.

Dieser Artikel möchte dazu beitragen, die eigene pädagogische Haltung zu schärfen und die Reitpädagogik als eigenständiges Fachgebiet ernst zu nehmen –
mit ihren besonderen Chancen, aber auch mit ihren klaren Grenzen.

Was unter Reitpädagogik fachlich zu verstehen ist – und warum sie weit mehr ist als eine Methode oder ein Freizeitangebot – habe ich hier ausführlich eingeordnet:

👉 Was ist Reitpädagogik?

Montessori: Pädagogik, nicht Methode

Montessori wird im pädagogischen Kontext häufig wie eine Methode verwendet – als etwas, das man „einsetzt“ oder „überträgt“.
Fachlich korrekt ist das jedoch nicht.

Montessori ist keine einzelne Methode, sondern eine ganzheitliche Pädagogik mit klaren Grundannahmen, Rahmenbedingungen und Voraussetzungen. Sie ist historisch und konzeptionell im Bildungsbereich verortet – vor allem in Krippe, Kindergarten und Schule.

Zentrale Elemente der Montessori-Pädagogik sind unter anderem:

  • eine vorbereitete Umgebung, die gezielt auf Lernprozesse ausgelegt ist
  • speziell entwickelte Montessori-Materialien, die
    • eindeutig strukturiert
    • reproduzierbar
    • und selbstkorrigierend sind
  • die freie Wahl der Tätigkeit durch das Kind
  • Lernen durch eigenständiges Tun statt durch Anleitung
  • eine begleitende Rolle der Erwachsenen, die möglichst wenig eingreifen

Ein entscheidender Punkt dabei ist die Selbstkorrektur:
Das Kind erkennt anhand des Materials selbst, ob etwas gelingt oder nicht – ohne äußere Bewertung und ohne Eingreifen von außen.

Diese Form des Lernens funktioniert dort besonders gut, wo:

  • Fehler keine gefährlichen Konsequenzen haben
  • Materialien neutral reagieren
  • Prozesse wiederholbar sind
  • die Umgebung vollständig kontrollierbar ist

Montessori-Pädagogik ist damit stark kontextabhängig.
Sie setzt einen Rahmen voraus, der Sicherheit durch Struktur ermöglicht – nicht durch Eingreifen.

Genau an diesem Punkt stellt sich in der Reitpädagogik eine zentrale fachliche Frage, die nicht umgangen werden kann:

Kann ein Pferd diese Rolle erfüllen?

Ist das Pferd ein Montessori-Medium?

Um Montessori fachlich korrekt einzuordnen, lohnt sich eine nüchterne Frage:
Welche Funktion hat das Lernmedium im Montessori-Konzept – und kann ein Pferd diese Funktion erfüllen?

Montessori-Materialien sind nicht zufällig gewählt. Sie erfüllen ganz bestimmte Kriterien:

  • sie sind neutral
  • sie reagieren vorhersehbar
  • sie sind reproduzierbar
  • sie ermöglichen Selbstkorrektur
  • sie sind so gestaltet, dass Fehler keine Gefahr darstellen

Das Material „antwortet“ auf das Handeln des Kindes immer gleich.
Genau dadurch entsteht Lernen ohne äußere Korrektur.

Ein Pferd erfüllt diese Voraussetzungen nicht.

Ein Pferd ist:

  • ein Lebewesen
  • ein Fluchttier
  • emotional und situativ reagierend
  • abhängig von Kontext, Stimmung, Tagesform und Erfahrung
  • nicht neutral, nicht reproduzierbar und nicht selbstkorrigierend

Ein Pferd reagiert nicht pädagogisch, sondern instinktiv.
Es „meldet“ keinen Fehler zurück, sondern zeigt Verhalten – und dieses Verhalten kann für Kinder wie Erwachsene schwer einschätzbar sein.

Damit entsteht ein grundlegender fachlicher Widerspruch:

Montessori setzt voraus, dass Lernen über ungefährliche Selbstkorrektur möglich ist.
Das Pferd erlaubt Selbstkorrektur nur um den Preis von Risiko – für Kind und Tier.

In der Reitpädagogik bedeutet das:
Fehler können nicht einfach „stehen gelassen“ werden, um Lernprozesse zu ermöglichen.
Sie müssen vorausgesehen, abgefangen und geführt werden.

Nicht aus Kontrollbedürfnis.
Sondern aus Verantwortung.

Damit ist nicht gesagt, dass Kinder beim Reiten nicht selbstständig lernen dürfen.
Aber die Art der Selbstständigkeit ist eine andere als im Montessori-Kontext.

Sie entsteht:

  • innerhalb klarer Grenzen
  • unter kontinuierlicher fachlicher Führung
  • mit dem Schutz des Pferdes als pädagogischem Auftrag

Das Pferd ist kein Medium, das pädagogische Konzepte „trägt“.
Es ist ein Beziehungspartner – und genau das verändert alles.

Sicherheit ist keine Einschränkung von Selbstständigkeit

Ein häufiges Argument im Zusammenhang mit Montessori-inspirierten Ansätzen lautet:
Zu viel Anleitung oder Eingreifen nehme Kindern die Möglichkeit, selbstständig zu lernen.

Dieses Argument greift in der Reitpädagogik jedoch zu kurz.

Denn Selbstständigkeit und Verantwortung sind zwei unterschiedliche Ebenen – und sie dürfen nicht miteinander vermischt werden.

Selbstständigkeit bedeutet:

  • etwas selbst tun dürfen
  • eigene Erfahrungen machen
  • Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten entwickeln

Verantwortung im Umgang mit Pferden bedeutet jedoch:

  • Risiken erkennen
  • Situationen voraussehen
  • rechtzeitig eingreifen
  • das Pferd schützen
  • das Kind schützen

Diese Verantwortung kann und darf nicht an Kinder delegiert werden – unabhängig vom pädagogischen Ansatz.

In der Reitpädagogik ist Sicherheit keine pädagogische Einschränkung, sondern eine fachliche Voraussetzung.
Ohne Sicherheit gibt es keinen geschützten Lernraum – weder für Kinder noch für Pferde.

Gerade klare Führung durch Erwachsene ermöglicht Kindern oft erst, sich auf das eigentliche Lernen einzulassen.
Wenn Kinder wissen:

  • jemand behält den Überblick
  • jemand greift ein, bevor etwas kippt
  • jemand übernimmt die Verantwortung für das Ganze

dann entsteht Entlastung – nicht Abhängigkeit.

Führung bedeutet dabei nicht:

  • Kontrolle um der Kontrolle willen
  • starre Anweisungen
  • fehlende Mitgestaltung

Sondern:

  • situationsangemessenes Eingreifen
  • klare Rahmenbedingungen
  • transparente Entscheidungen
  • erklärbare Grenzen

In diesem Rahmen können Kinder sehr wohl selbstständig handeln –
aber nicht auf Kosten der Sicherheit und nicht auf Kosten des Pferdes.

Reitpädagogik braucht daher kein Entweder-oder zwischen Freiheit und Führung.
Sie braucht ein sowohl-als-auch – fachlich reflektiert und verantwortungsvoll umgesetzt.

Warum „Kinder leiten Kinder an“ fachlich hochproblematisch ist

In manchen Angeboten – häufig in Kombination mit Montessori-Begriffen – wird das Prinzip propagiert, dass ältere oder erfahrenere Kinder jüngere Kinder anleiten sollen.
Die Idee dahinter wirkt auf den ersten Blick pädagogisch attraktiv: Verantwortung übernehmen, voneinander lernen, soziale Kompetenzen stärken.

Im Kontext der Reitpädagogik ist dieses Vorgehen jedoch fachlich nicht haltbar.

Der zentrale Grund ist einfach – und wird dennoch oft unterschätzt:
Kinder können Risiken nicht zuverlässig einschätzen. Und sie können pädagogische Entscheidungen nicht verantworten.

1. Fehler werden weitergegeben – nicht reflektiert

Kinder verfügen noch nicht über die Fähigkeit,

  • Bewegungsabläufe differenziert zu analysieren
  • Körpersignale des Pferdes korrekt zu deuten
  • Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge sicher einzuordnen

Wenn Kinder andere Kinder anleiten, werden daher häufig:

  • unklare Hilfen weitergegeben
  • fehlerhafte Bewegungsmuster verstärkt
  • Missverständnisse im Umgang mit dem Pferd „normalisiert“

Das Problem ist nicht der Fehler an sich – sondern dass keine fachliche Korrektur stattfindet, bevor der Fehler Wirkung entfaltet.

2. Das Pferd wird zum stillen Ausgleichsfaktor

In solchen Settings übernimmt das Pferd oft unbewusst die Rolle des „Ausgleichers“:

  • es kompensiert unklare Signale
  • es passt sich an
  • es trägt Unsicherheit

Langfristig führt das jedoch zu:

  • innerer Überforderung
  • Abnutzung
  • Stressverhalten
  • oder im schlimmsten Fall zu gefährlichen Situationen

Das Pferd zahlt den Preis für ein pädagogisches Experiment, das nicht zu seinem Wesen passt.

3. Verantwortung lässt sich nicht delegieren

In der Reitpädagogik ist klar geregelt – fachlich wie ethisch:
Die Verantwortung für Sicherheit, Struktur und Führung liegt immer bei den Erwachsenen.

Diese Verantwortung kann nicht:

  • altersabhängig verschoben
  • erfahrungsabhängig abgegeben
  • oder pädagogisch „umgedeutet“ werden

Auch ein sehr kompetentes, empathisches Kind bleibt ein Kind.
Es darf lernen – aber es darf nicht verantwortlich sein.

4. Beziehung statt Rollenverschiebung

Gute Reitpädagogik stärkt Kinder nicht dadurch, dass sie Erwachsenenrollen übernehmen müssen.

Sie stärkt Kinder dadurch, dass:

  • sie gesehen werden
  • sie klar angeleitet werden
  • sie sich sicher fühlen dürfen
  • sie nicht für andere tragen müssen

„Kinder leiten Kinder an“ verschiebt die Beziehungsebene – weg von Schutz und Begleitung hin zu Überforderung und Rollenkonflikten.

Montessori als Marketinglabel – wo es fachlich und ethisch kritisch wird

Begriffe wie „Montessori“ wirken.
Sie schaffen Vertrauen, signalisieren pädagogische Qualität und sprechen gezielt Eltern an, die Wert auf eine achtsame Begleitung ihrer Kinder legen.

Genau deshalb tragen sie eine besondere Verantwortung.

Problematisch wird es dort, wo Montessori nicht als pädagogisches Gesamtkonzept verstanden, sondern als Marketinglabel genutzt wird – losgelöst vom ursprünglichen Kontext, von klaren Qualitätskriterien und von den Rahmenbedingungen, für die es entwickelt wurde.

Montessori ist kein beliebiger Begriff, sondern an klare Qualitätskriterien gebunden, wie sie z. B. von Montessori Deutschland beschrieben werden.

In der Reitpädagogik zeigt sich das häufig in Form von:

  • Schlagworten ohne inhaltliche Tiefe
  • einzelnen Prinzipien, die aus dem Zusammenhang gelöst werden
  • einer Vermischung von Haltung, Methode und Werbesprache

Das Problem ist dabei nicht Montessori selbst.
Das Problem ist die unkritische Übertragung eines anerkannten pädagogischen Begriffs auf ein Arbeitsfeld, für das er nicht konzipiert wurde.

Fehlende Qualitätskontrolle im Pferdebereich

Während es im klassischen Montessori-Bereich klare Qualitätsrahmen, Anerkennungsverfahren und fachliche Standards gibt, existieren diese im Pferdebereich nicht.

Das bedeutet:

  • Es gibt keine einheitliche fachliche Prüfung
  • keine verbindlichen Kriterien für Umsetzung
  • keine klare Abgrenzung zwischen Haltung, Methode und Marketing

Für Eltern ist dieser Unterschied kaum erkennbar.
Der Begriff suggeriert Sicherheit und Qualität – ohne dass diese automatisch gegeben sind.

Verantwortung gegenüber Eltern und Pferden

Wer mit Kindern und Pferden arbeitet, trägt eine doppelte Verantwortung:

  • gegenüber den Kindern
  • und gegenüber den Pferden

Wenn pädagogische Begriffe genutzt werden, um Vertrauen zu erzeugen, ohne die damit verbundenen Voraussetzungen zu erfüllen, entsteht eine ethische Schieflage.

Nicht aus böser Absicht –
sondern aus mangelnder Differenzierung.

Gerade deshalb ist es Aufgabe der Profession, hier klar zu sein:
Nicht jedes gut klingende Konzept passt in jedes Arbeitsfeld.
Und nicht jede pädagogische Haltung rechtfertigt jedes pädagogische Setting.

Reitpädagogik braucht keine fremden Etiketten, um wertvoll zu sein.
Sie braucht Klarheit, Fachlichkeit und die Bereitschaft, Verantwortung auch sprachlich zu übernehmen.

Was stattdessen pädagogisch sauber ist – ohne neues Label

Wenn Montessori als pädagogisches Konzept nicht auf die Reitpädagogik übertragbar ist, stellt sich zwangsläufig die Frage:
Was ist dann fachlich stimmig?

Die Antwort ist überraschend unspektakulär – und genau darin liegt ihre Stärke.

Gute Reitpädagogik braucht kein neues Label und keine entlehnten Konzepte aus anderen Bildungsbereichen.
Sie braucht Klarheit über ihre eigenen Grundlagen.

Wie eine eigenständige, beziehungsorientierte Reitpädagogik ohne Fremdlabels aussehen kann, habe ich am Beispiel von Naturalkids® hier beschrieben:

👉 Was ist Naturalkids® – und warum es mehr ist als nur Ponyreiten?

Pädagogisch sauber ist Reitpädagogik dort, wo:

Beziehung vor Methode steht

Das Pferd ist kein Werkzeug zur Zielerreichung, sondern ein Beziehungspartner.
Pädagogische Entscheidungen müssen sich immer daran messen lassen, wie sie sich auf diese Beziehung auswirken – für Kind und Pferd.

Selbstständigkeit entwicklungsangemessen begleitet wird

Kinder dürfen und sollen selbst aktiv sein.
Aber Selbstständigkeit entsteht nicht durch Zurückziehen der Erwachsenen, sondern durch passende Begleitung, die dem Entwicklungsstand des Kindes entspricht.

Erwachsene Führung klar übernommen wird

Führung bedeutet:

  • Verantwortung tragen
  • Situationen voraussehen
  • Grenzen setzen, bevor sie überschritten werden
  • Sicherheit herstellen, bevor Lernen beginnt

Diese Führung ist kein pädagogischer Rückschritt, sondern die Voraussetzung dafür, dass Lernen überhaupt möglich wird.

Das Pferd als schützenswertes Wesen mitgedacht wird

Pädagogische Arbeit mit Pferden ist immer auch Tierschutzarbeit. Überforderung, ständige Anpassung oder das „Aushalten“ von Unsicherheit sind keine pädagogischen Leistungen des Pferdes, sondern Warnsignale.

Reflexion Teil der Professionalität ist

Gute Reitpädagogik zeichnet sich nicht dadurch aus, dass alles „frei“ oder alles „geführt“ ist, sondern dadurch, dass Entscheidungen begründet, reflektiert und transparent getroffen werden können.

Das alles ist keine neue Methode.
Es ist professionelle Haltung.

Und genau diese Haltung macht Reitpädagogik zu einem eigenständigen Fachgebiet – mit eigenen Anforderungen, eigenen Grenzen und eigener Verantwortung.

Warum gute Reitpädagogik keine Fremdlabels braucht

Reitpädagogik ist kein Anhängsel anderer pädagogischer Disziplinen.
Sie ist ein eigenständiges Fachgebiet – mit besonderen Chancen, aber auch mit besonderen Anforderungen.

Wer mit Kindern und Pferden arbeitet, bewegt sich in einem Spannungsfeld aus:

  • Pädagogik
  • Beziehungsgestaltung
  • Sicherheit
  • Tierethik
  • Verantwortung

Dieses Spannungsfeld lässt sich nicht sinnvoll mit Konzepten abbilden, die für kontrollierbare Bildungsräume entwickelt wurden.

Der Versuch, Reitpädagogik durch bekannte Fremdlabels aufzuwerten, entsteht oft aus einem nachvollziehbaren Wunsch:

  • ernst genommen zu werden
  • sich abzugrenzen
  • Qualität sichtbar zu machen

Doch genau hier liegt ein Trugschluss.

Gute Reitpädagogik wird nicht dadurch professionell,
dass sie sich an bestehende pädagogische Marken anlehnt.
Sie wird professionell dadurch,
dass sie ihre eigenen Qualitätsmaßstäbe kennt und benennt.

Dazu gehören:

  • klare Zuständigkeiten
  • begründbare Entscheidungen
  • transparente Strukturen
  • fachlich reflektierte Führung
  • und ein respektvoller Umgang mit dem Pferd als Mitwesen

All das braucht kein fremdes Etikett.
Es braucht Sprache, Haltung und den Mut, Verantwortung zu übernehmen – auch dann, wenn das weniger „modern“ klingt.

Reitpädagogik ist stark genug, für sich selbst zu stehen.
Und sie wird dort glaubwürdig, wo sie das auch tut.

Fazit: Haltung vor Methode

Montessori Reitpädagogik ist gut gemeint – fachlich stößt das Konzept jedoch im Umgang mit Pferden an klare Grenzen.

In der Reitpädagogik gelten andere Voraussetzungen als im klassischen Bildungsbereich.
1. Das Lernmedium ist ein Lebewesen.
2. Fehler haben Auswirkungen.
3. Verantwortung lässt sich nicht delegieren.

Wer Montessori-Prinzipien unreflektiert auf die Arbeit mit Pferden überträgt, gerät daher in fachliche Widersprüche – nicht aus böser Absicht, sondern aus fehlender Differenzierung.

Gute Reitpädagogik braucht:

  • keine fremden Labels
  • keine pädagogischen Abkürzungen
  • keine Marketingbegriffe, die mehr versprechen, als sie halten können

Sie braucht:

  • Klarheit
  • Fachlichkeit
  • reflektierte Führung
  • und eine Haltung, die Kinder und Pferde gleichermaßen schützt

Nicht jede gute Idee passt in jedes Setting. Und Professionalität zeigt sich nicht darin, wie modern etwas klingt – sondern darin, wie verantwortungsvoll es umgesetzt wird.

Reitpädagogik ist dann stark, wenn sie bereit ist, für ihre eigenen Maßstäbe einzustehen.

Marina Lange

Ergänzende Klarstellung:
Montessori-Pädagogik kann dort sinnvoll weitergedacht werden, wo sie von entsprechend ausgebildeten Fachkräften verantwortungsvoll, reflektiert und unter klaren Sicherheitsrahmen umgesetzt wird.

Dieser Artikel thematisiert die fachlichen Widersprüche, die entstehen, wenn der Begriff „Montessori“ ohne diese Voraussetzungen auf reitpädagogische Angebote übertragen wird.

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