Be„Was mache ich eigentlich morgen mit meinen Kindern?“
Wenn du Reitpädagogin bist, kennst du diese Frage vermutlich. Reitstunden zu planen gehört schließlich jede Woche aufs Neue dazu.
Manchmal kommt die Idee beim Füttern. Manchmal beim Blick in die Materialkammer. Vielleicht hast du irgendwo ein schönes Spiel gesehen. Oder dir fällt auf dem Weg zum Stall ein Thema ein, aus dem sich bestimmt etwas machen ließe.
Und manchmal stehen die Kinder schon fast vor der Tür.
Dann wird eben improvisiert.
Das kann erstaunlich gut funktionieren.
Gerade erfahrene Reitpädagoginnen haben häufig einen großen Fundus im Kopf. Sie kennen ihre Kinder, ihre Ponys und ihr Material. Sie können eine Übung verändern, wenn sie gerade nicht funktioniert. Sie reagieren auf Wetter, Gruppendynamik und Tagesform und zaubern aus drei Pylonen, zwei Poolnudeln und einem Eimer plötzlich eine richtig schöne Stunde.
Diese Fähigkeit ist wertvoll.
Trotzdem hat sie einen Haken:
Wenn jede Reitstunde neu im Kopf entstehen muss, beginnt die Arbeit jede Woche wieder von vorne.
Die eigentliche Arbeit beginnt lange vor der Reitstunde
Eine gute reitpädagogische Stunde besteht aus viel mehr als einer netten Spielidee.
➡️ Du brauchst ein Thema oder einen roten Faden.
➡️ Du brauchst passende Übungen.
➡️ Die Übungen müssen zu den Kindern passen.
➡️ Sie müssen mit deinen Ponys funktionieren.
➡️ Du brauchst Material.
➡️ Du musst überlegen, was auf dem Pony, neben dem Pony und vielleicht ganz ohne Pony stattfinden soll.
➡️ Die Kinder sollen beschäftigt sein und Freude haben.
➡️ Und natürlich möchtest du als Reitpädagogin auch etwas fördern.
Das alles passiert häufig in einem einzigen Kopf.
Deinem.
Und wenn du jede Woche mehrere Gruppen unterrichtest, multipliziert sich diese Arbeit.
Eine einzelne spontan geplante Stunde mag schnell gehen. Über ein ganzes Jahr betrachtet entstehen daraus allerdings sehr viele kleine Planungsentscheidungen.
„Ich bin spontan“ kann zwei völlig unterschiedliche Dinge bedeuten
Spontanität ist in der Reitpädagogik wichtig.
Ein Pony hat heute keine Lust auf das geplante Spiel.
Ein Kind hat Angst.
Das Wetter macht den Reitplatz unbenutzbar.
Eine Übung ist für die Gruppe viel zu leicht.
Oder die Kinder sind von etwas völlig anderem begeistert und du merkst: Wenn ich das jetzt aufgreife, wird daraus eine fantastische Stunde.
Dann ist spontane Anpassung eine pädagogische Stärke.
Etwas anderes passiert, wenn die komplette Stunde regelmäßig erst kurz vorher entsteht.
Dann muss dein Kopf immer wieder dieselben Fragen beantworten:
Was mache ich?
Wie baue ich es auf?
>>>>>>>>Was brauche ich dafür?
Wie lange dauert es?
Was mache ich mit den anderen Kindern?
Wie kann ich es leichter oder schwieriger machen?
>>>>>>>>Und was mache ich, wenn mein Plan nicht funktioniert?
Genau dort entsteht der Zeitfresser.
Du brauchst nicht jede Woche zehn neue Ideen
Das ist einer der größten Irrtümer bei der Stundenplanung.
Eine gute Reitpädagogin muss kein wandelndes Ideenfeuerwerk sein.
Kinder brauchen auch nicht jede Woche etwas, das es auf der Welt noch nie gegeben hat.
Viel wichtiger ist die Frage:
Was sollen die Kinder in dieser Stunde erleben, ausprobieren oder lernen?
Eine einzige Idee kann dafür völlig ausreichen.
Nehmen wir ein einfaches Beispiel:
Du möchtest mit deinen Kindern etwas zum Thema Schulanfang machen.
Jetzt könntest du anfangen, im Internet nach Spielen zu suchen.
Schultüten. Buchstaben. Zahlen. Schulranzen. Stundenpläne.
Pinterest auf.
Google auf.
Material suchen.
Ideen speichern.
Und zwei Stunden später hast du 37 Möglichkeiten und immer noch keine fertige Reitstunde.
Oder du hast bereits eine Struktur, in die du dein Thema einsetzen kannst.
Dann wird aus der kreativen Idee wesentlich schneller eine umsetzbare Stunde.
Der Unterschied liegt im System hinter der Kreativität
Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit Stundenbildern für die Reitpädagogik.
Und dabei ist mir eines immer deutlicher geworden:
Kreativität und Struktur sind keine Gegensätze.
Eine gute Struktur macht Kreativität überhaupt erst leichter nutzbar.
Wenn ich weiß, welches Ziel ich verfolge, welche Möglichkeiten mir zur Verfügung stehen und welche Übungen dazu passen, muss ich nicht jedes Mal das gesamte Rad neu erfinden.
Ich kann auswählen.
Kombinieren.
Anpassen.
Und genau das verändert Stundenplanung.
Aus:
„Hilfe, was mache ich morgen?“
wird:
„Was passt morgen zu meiner Gruppe?“
Das ist eine völlig andere Ausgangslage.
Ein fertiges Stundenbild bedeutet übrigens nicht, dass du dich daran festhalten musst
Das ist mir wichtig.
Ein Stundenbild ist kein Drehbuch, das du Punkt für Punkt abarbeiten musst. Du kennst die Kinder vor dir. Du kennst deine Ponys. Und du siehst, was an diesem Tag funktioniert.
Ein gutes Stundenbild nimmt dir deshalb vor allem die Vorarbeit ab.
Die Geschichte ist da, die Übungen sind da, der Ablauf ist durchdacht, die Materialliste existiert, Varianten für Schlechtwetter oder für pädagogische Anpassungen sind vorbereitet – Und dann entscheidest du vor Ort, in der Situation, was du davon brauchst.
Genau dadurch bleibt Raum für die Spontanität, die gute pädagogische Arbeit braucht.
Bau dir einen Fundus, statt immer wieder von vorne anzufangen
Wenn du regelmäßig reitpädagogische Stunden anbietest, würde ich deshalb langfristig etwas anderes sammeln als einzelne Ideen.
Baue dir einen Fundus fertiger Stunden und Bausteine auf.
Nach Themen oder Förderschwerpunkten, nach Altersgruppen oder nach Jahreszeiten.
Und auch nach Situationen wie schlechtem Wetter, kleinen Gruppen oder kurzfristigen Ausfällen. Je größer dieser Fundus wird, desto seltener sitzt du vor einer leeren Seite. Dann darf die spontane Idee weiterhin kommen. Sie ist aber nicht mehr deine einzige Rettung und du reduzierst Stress, nicht zu wissen, was du mit den Kids machen sollst, ganz automatisch.
Und wie planst du deine Reitstunden?
Genau darüber spreche ich gerade auch mit den Reitpädagoginnen in meiner Community.
Manche beginnen mit einem Thema, Andere mit einem Förderziel.
Wieder andere haben zuerst eine einzelne Übung im Kopf… Und erstaunlich viele sagen:
„Ganz unterschiedlich. Oft spontan.“
Deshalb interessiert mich auch deine Erfahrung: Womit beginnt deine Stundenplanung normalerweise?
Beginnt sie mit einem Thema?
Oder mit dem, was die Kinder lernen sollen?
Startest du mit einer Übung, die du gern durchführen möchtest?
Oder hast du vielleicht sogar schon ein vorhandenes Stundenbild, das du gern einsetzen möchtest?
Vielleicht bist du auch jemand, der meistens spontan entscheidet und zwar mit dem, was dir gerade einfällt?
Schreib mir gern. Ich sammle diese Antworten gerade, weil ich Ende August genau zu diesem Thema noch etwas vorbereite.
Wenn du das nicht verpassen willst: Der Brief aus dem Stallbüro
Fast jede Woche landet bei mir eine Situation auf dem Schreibtisch, bei der ich denke: Darüber müsste eigentlich jede Reitpädagogin einmal nachdenken.
Genau daraus entsteht der Brief aus dem Stallbüro. Einmal pro Woche teile ich Gedanken, Erfahrungen und Lösungen aus meinem Alltag als Unternehmerin und Reitpädagogin – über Preise, Elternarbeit, Organisation, Unterricht und all die kleinen Situationen, die im Alltag oft mehr ausmachen als jede Theorie.
Trag dich hier kostenlos ein und du bekommst den nächsten Brief direkt in dein Postfach.
Ganz liebe Grüße an dich!
Marina
