Das kleine Shetty, das meine Arbeit mit Kindern und Pferden verändert hat

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Shetlandpony Chester – Impuls für meine Arbeit in der Reitpädagogik

Es gibt Momente, die verändern die eigene Arbeit grundlegend.

In meiner Arbeit in der Reitpädagogik war einer dieser Momente die Begegnung mit einem kleinen Shetlandpony namens Chester.

Eigentlich war Chester ein wunderbares Kinderpony.

Klein.
Freundlich.
Clever.

Bei manchen Kindern lief er so zuverlässig mit, dass man glauben konnte, er würde jeden Wunsch von den Augen ablesen.

Und dann kamen andere Kinder.

Plötzlich blieb Chester stehen.

Er ging dahin, wo er hinwollte.

Die Kinder zogen am Strick, versuchten ihn zu locken oder redeten auf ihn ein.

Nichts.

Und ich?

Ich wurde zunehmend frustriert.

Schließlich hatte ich eine Unterrichtsstunde vorbereitet.

Ich hatte mir Gedanken gemacht, welche Übungen wir machen würden und was die Kinder dabei lernen sollten.

Damit das funktionierte, musste Chester doch einfach mitmachen.

Also griff ich ein.

Anfangs freundlich.

Dann deutlicher.

Und irgendwann immer energischer.

Heute weiß ich, dass ich damals etwas getan habe, das ich aus heutiger Sicht völlig anders sehe.

Ich habe interveniert.

Natürlich wollte ich dem Kind etwas beibringen.

Aber in diesem Moment war mir wichtiger geworden, dass meine geplante Stunde funktionierte.

Und genau das hatte Folgen.

Denn was lernte das Kind in diesem Moment?

Nicht etwa:

  • „Ich habe herausgefunden, wie ich mit Chester kommunizieren kann.“

Statt dessen:

  • „Ich kann das nicht allein.“
  • „Ein Erwachsener muss das für mich lösen.“

Diese Erkenntnis hat mich damals ziemlich getroffen. Denn eigentlich wollte ich Kinder stärken.

Ich wollte, dass sie selbst Lösungen finden.

Dass sie ausprobieren… Dass sie Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten entwickeln.

Und plötzlich wurde mir klar: Nicht Chester war das Problem. Auch nicht das Kind.

Meine Perspektive war das Problem.

Denn ich hatte die Situation als Störung meiner Unterrichtsplanung gesehen.

Heute sehe ich sie völlig anders.

Das Pony zeigt mir etwas.

Es zeigt mir, was dieses Kind bereits kann.

Und vor allem zeigt es mir, was dieses Kind gerade lernen darf.

Genau dort beginnt für mich professionelle Reitpädagogik.

Reitpädagogik beginnt beim Lernziel des Kindes

Nicht bei der Frage: „Welche Übung mache ich heute?“, sondern bei der Frage „Was soll dieses Kind heute lernen?“

Und das Verrückte ist:

Seit ich so denke, fällt mir die Stundenplanung deutlich leichter. Denn plötzlich muss ich nicht mehr verzweifelt nach der nächsten kreativen Idee suchen.

Ich weiß zuerst, welches Lernziel ich erreichen möchte. Und erst danach suche ich eine passende Geschichte, ein Spiel oder eine Übung.

Kreativität steht bei mir deshalb nicht am Anfang, sondern im Prinzip erst recht weit hinten…

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Deine Marina

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