Den Stundensatz in der Reitpädagogik zu berechnen gehört zu den wichtigsten Aufgaben einer selbstständigen Reitpädagogin. Trotzdem schätzen viele ihren Preis oder orientieren sich an anderen Anbietern. Wenn du deinen Stundensatz berechnen willst und wirklich fundiert angehen möchtest, brauchst du keine Vermutungen, sondern deine eigenen Zahlen.
Die meisten Reitpädagoginnen kennen ihren Preis. Die wenigsten kennen ihre Zahl. Das ist ein Unterschied.
Es gibt eine Frage, die ich in über zwanzig Jahren immer wieder gestellt habe – in Workshops, in Gesprächen, in meiner Facebook-Gruppe. Und die Antworten, die ich bekomme, klingen meistens so: „Ich nehme 65 Euro die Stunde.“ Oder 55. Oder 80. Manchmal mit einer kurzen Begründung, manchmal einfach so.
Was ich selten höre: Woher diese Zahl kommt.
Der Mindeststundensatz ist keine Schätzung und kein Branchenwert. Er ist das Ergebnis einer Rechnung. Wer ihn kennt, weiß, was seine Arbeit kosten muss – unabhängig davon, was andere nehmen. Wer ihn nicht kennt, arbeitet mit einer Zahl, die möglicherweise nie gestimmt hat.
Dieser Artikel führt dich durch diese Rechnung. Du brauchst dafür keinen Taschenrechner, aber du brauchst deine eigenen Zahlen.
📬 Bevor wir rechnen…
Jede Woche schreibe ich einen Brief aus dem Stallbüro.
Darin geht es genau um solche Themen:
- Preise
- Elternarbeit
- Organisation
- Kundengewinnung
- Unterricht
- und die vielen kleinen Entscheidungen, die darüber entscheiden, ob ein Reitpädagogik-Betrieb langfristig funktioniert.
Wenn du solche Gedanken direkt in dein Postfach bekommen möchtest, kannst du dich hier kostenlos eintragen.
Ich freue mich auf dich! Jetzt lass uns aber loslegen mit dem Rechnen:
Stundensatz berechnen: Die Formel
Der Mindeststundensatz ergibt sich aus zwei Größen:
Mindeststundensatz = Jahresgesamtkosten ÷ fakturierbare Jahresstunden
Das ist alles. Zwei Zahlen. Eine Division. Das Ergebnis ist die Untergrenze – der Preis, unterhalb dessen du draufzahlst.
Die Herausforderung liegt nicht in der Formel. Sie liegt darin, beide Zahlen ehrlich zu ermitteln.
Wer seinen Stundensatz berechnen möchte, muss also zuerst seine tatsächlichen Jahreskosten kennen.
Schritt 1: Deine Jahresgesamtkosten
Die häufigste Falle: Viele rechnen nur die Betriebskosten zusammen und vergessen, dass sie auch leben müssen.
Deine Jahresgesamtkosten bestehen aus zwei Teilen.
Teil A: Betriebskosten
Alles, was dein Angebot kostet, bevor du die erste Stunde gibst:
- Futter, Einstreu, Heu – für alle Ponys, 365 Tage im Jahr
- Hufschmied, Tierarzt, Impfungen, Entwurmung
- Stall- oder Pachtkosten, Weidepflege, Zaununterhaltung
- Reitanlage, Führanlage, Instandhaltung
- Sicherheitsausrüstung, Helme, Materialverschleiß
- Berufs- und Betriebshaftpflicht
- Fahrtkosten, wenn du zu Kunden fährst
- Fortbildungen, Mitgliedsbeiträge in Verbänden
- Buchhaltung, Steuerberater, Büromaterial
- Telefon, Internet, Website
Schreib diese Kosten auf Jahresbasis auf. Wenn du monatliche Beträge hast, multipliziere mit zwölf.
Teil B: Lebenshaltungskosten
Was brauchst du persönlich pro Monat, um zu leben? Miete, Lebensmittel, Kleidung, private Kranken- und Rentenversicherung, Rücklagen, Urlaub.
Auch das gehört in deine Kalkulation – auch wenn es sich vielleicht ungewohnt anfühlt, das so direkt hinzuschreiben. Dein Unternehmen muss nicht nur deine Ponys finanzieren. Es muss dich finanzieren.
Multipliziere deinen monatlichen Bedarf mit zwölf.
Jahresgesamtkosten = Teil A + Teil B
Das ist die Summe, die deine Selbständigkeit mindestens erwirtschaften muss, damit sie funktioniert.
Schritt 2: Deine fakturierbaren Jahresstunden
Das ist der Teil, den die meisten unterschätzen – und der deshalb entscheidend ist.
Nicht alle Stunden, die du arbeitest, kannst du auch abrechnen. Vorbereitung, Verwaltung, Tierpflege, Wartungsarbeiten, Fortbildungen – das ist alles Arbeitszeit, aber keine abrechnungsfähige Unterrichtszeit. Dazu kommen Ausfallzeiten, die dein Angebot trotzdem kostet:
- Urlaub – auch Selbständige brauchen ihn
- Krankheit – auch bei dir, auch bei den Ponys
- Schlechtwetter, wenn du draußen arbeitest
- Kurzfristige Absagen durch Kunden
- Feiertage, Schulferien, saisonale Schwankungen
Geh so vor:
Nimm 52 Wochen im Jahr.
Zieh deine Urlaubswochen ab.
Zieh realistisch eingeschätzte Krankheits- und Ausfallwochen ab.
Das ergibt deine tatsächlichen Arbeitswochen.
Überlege dann: Wie viele Stunden davon sind in einer durchschnittlichen Woche wirklich abrechenbar – also direkte Unterrichtszeit mit Kundinnen?
Arbeitswochen × fakturierbare Stunden pro Woche = fakturierbare Jahresstunden
Viele machen an dieser Stelle eine unangenehme Entdeckung: Die Zahl ist deutlich kleiner, als sie gedacht hatten.
Schritt 3: Stundensatz berechnen
Jetzt hast du beide Zahlen.
[deine Jahresgesamtkosten] ÷ [deine fakturierbaren Jahresstunden] = dein Mindeststundensatz
Das ist die Untergrenze. Jeder Euro darunter bedeutet: Du finanzierst dein Angebot mit deinen eigenen Rücklagen – oder du hörst irgendwann auf, weil nichts mehr übrig ist.
Was dieses Ergebnis bedeutet
Mit dieser Formel kannst du deinen Stundensatz berechnen und erhältst eine belastbare Grundlage für deine Preisgestaltung.
Der Mindeststundensatz ist kein Preis. Er ist dein Fundament.
Wer darunter arbeitet, macht Minus – auch wenn das Konto am Monatsende noch etwas zeigt. Die Verluste verstecken sich: in fehlenden Rücklagen, in nicht ersetzter Ausrüstung, in Investitionen, die aufgeschoben werden, bis es zu spät ist.
Wer darüber arbeitet, hat Spielraum. Für Investitionen, für Gewinn, für das, was eine Selbständigkeit tragfähig und stabil macht, auch in Krisenzeiten.
Viele Reitpädagoginnen erleben an dieser Stelle eine Art dumpfen Schlag gegen die Stirn. Die Zahl liegt höher als ihr aktueller Preis. Genau das ist einer der häufigsten Gründe, warum viele Reitpädagoginnen ihre Preise als „zu hoch“ empfinden – obwohl sie in Wahrheit jahrelang unter ihrem Mindestpreis gearbeitet haben. Warum das so ist und welche Denkfehler dahinterstecken, erfährst du im Blogartikel Reitpädagogik-Preise: Warum die meisten Reitpädagoginnen zu günstig arbeiten.
Das ist keine Katastrophe – es ist eine Information. Eine, die man haben sollte, bevor man das nächste Mal gefragt wird, ob der Preis nicht etwas günstiger sein könnte.
Warum diese Rechnung so selten gemacht wird
Ich glaube, es liegt nicht an mangelndem Interesse. Es liegt daran, dass das Ergebnis unbequem sein kann.
Wer rechnet und feststellt, dass der eigene Preis zu niedrig ist, steht vor einer Entscheidung. Das ist anstrengender als weitermachen wie bisher. Aber es ist auch die einzige Grundlage, auf der sich langfristig etwas verändern lässt.
Eine Zahl, die man kennt, kann man beeinflussen. Eine Zahl, die man nicht kennt, nicht.
Wenn du deine eigenen Zahlen berechnen möchtest
Dieser Artikel zeigt dir die Logik hinter der Kalkulation. Er erklärt, warum dein Mindeststundensatz keine Schätzung sein sollte, sondern das Ergebnis einer Rechnung.
Die eigentliche Arbeit beginnt aber erst jetzt – mit deinen eigenen Zahlen.
Denn genau hier wird es für viele Reitpädagoginnen schwierig. Welche Kosten gehören wirklich in die Kalkulation? Was ist mit Tierarztkosten, Rücklagen, Altersvorsorge oder Krankheitszeiten? Wie berechne ich jetzt den Stundensatz? Und was mache ich, wenn Teilnehmer krank sind? Oder wie viele Stunden im Jahr kann ich tatsächlich abrechnen?
Und vor allen Dingen: Was mache ich, wenn ich jetzt schon weiß, dass meine Kunden sagen werden „Das ist zu teuer, das kann ich mir nicht leisten!“
Genau deshalb habe ich den Naturalkids® Kalkulationsworkshop entwickelt.
In drei Workshops führst du deine Kalkulation Schritt für Schritt selbst durch. Gemeinsam ermitteln wir deine tatsächlichen Jahreskosten, berechnen deine fakturierbaren Stunden und entwickeln daraus deinen persönlichen Mindeststundensatz – nicht mit Beispielzahlen, sondern mit den Zahlen deines eigenen Betriebs.
Nicht schätzen. Nicht kopieren. Rechnen.
Nach dem Workshop weißt du,
- wie viel eine Unterrichtsstunde mindestens kosten muss, damit dein Betrieb wirtschaftlich funktioniert,
- warum dein Preis keine Verhandlungssache, sondern das Ergebnis einer fundierten Kalkulation ist,
- wie du Preiserhöhungen mit mehr Sicherheit angehst,
- und wie du einen Betrieb aufbaust, der nicht nur deine Ponys finanziert, sondern auch dich.
Wenn du deine Preise künftig nicht mehr nach Bauchgefühl festlegen möchtest, sondern auf einer belastbaren Grundlage, dann ist der Kalkulationsworkshop der nächste Schritt.
Außerdem gibts da noch
Die drei größten Fehler + die Viererregel
Warum Bauchpreise dich jedes Jahr Geld kosten. Warum eine einfache Preiserhöhung meistens nach hinten losgeht. Und die Viererregel: vier Stellschrauben mit denen du mehr verdienst, ohne dich zu verbiegen oder Qualität zu opfern.
Wenn du also jetzt schon weißt, dass das alles vorne und hinten bei dir nicht hinhaut, dann empfehle ich dir den Kalkulationsworkshop.
Einmal durchgearbeitet wirst du nie wieder mit deinen Preisen und der Kommunikation darüber straucheln. Und vor allem: Du kannst dann ganz easy immer wieder nachjustieren, weil du das Fundament schon gebaut hast. Einmal richtig und fertig.
👉 Zum Naturalkids® Kalkulationsworkshop
Noch nicht bereit?
Du bist noch nicht bereit, dich den Tatsachen zu stellen oder hast vielleicht anderswo Schwierigkeiten z.B. mit der Kundengewinnung, der Kommunikation oder der pädagogischen Umsetzung? Dann lass uns trotzdem in Kontakt bleiben.
Fast jede Woche schreibe ich einen Brief aus dem Stallbüro.
Darin geht es um genau die Themen, die Reitpädagoginnen im Alltag wirklich beschäftigen: Preise, Elternarbeit, Organisation, Kundengewinnung, Unterricht und die vielen kleinen Entscheidungen, die darüber entscheiden, ob aus einer Herzensangelegenheit ein tragfähiger Betrieb wird.
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Wer seine Zahlen kennt, rechnet anders. Und wer anders rechnet, arbeitet anders. Ich freue mich, dich dabei begleiten zu dürfen.
Deine Marina